Kapitel 11 – Unfreiwilliger Aufenthalt in der Nacht
Die Sonne stand inzwischen tief über dem ausgetrockneten Land. Elias hatte die Werkzeugkiste wieder in die Kutsche gestellt, nachdem er sich noch einmal die gebrochene Nabe angesehen hatte. Doch sein Gesicht verriet, dass er keine neue Lösung gefunden hatte.
„Ohne Ersatzteil kommen wir nicht weiter“, sagte er schließlich.
Carter blickte über die Straße.
„Wie weit ist die nächste Station?“
„Zu weit, um heute noch dorthin zu kommen. Und wir haben keine Sättel für die Kutschpferde.“
Elias sah zum Horizont. „Wenn wir Glück haben, kommt morgen jemand vorbei.“
Miriam sah ihn überrascht an. „Morgen?“
Elias nickte. „Wenn überhaupt. Die Postkutschen fahren nicht jeden Tag auf dieser Linie.“
Claire sah ihre Mutter an. „Dann sitzen wir hier wirklich die ganze Nacht fest?“
„Sieht so aus.“
Elias begann inzwischen, ein Feuer neben der Kutsche vorzubereiten. Er sammelte trockenes Holz und legte es zu einem kleinen Haufen zusammen. Und schon nach wenigen Minuten züngelte eine Flamme empor.
Die Schatten wurden länger. Claire setzte sich auf die Stufe der Kutsche. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal über ein Abendessen aus einer Postkutsche freuen würde.“
Miriam lächelte. „Was hast du denn erwartet?“
„Etwas Besseres als ein Stück Brot.“
Elias hörte es und grinste. „Ich habe auch noch etwas Trockenfleisch.“
Claire sah sofort auf. „Wie viel?“
„Nicht viel.“
„Das klingt nicht gut.“
Elias öffnete seine Tasche. Zum Vorschein kamen ein paar Stücke Trockenfleisch, etwas Brot, eine größere, aus Leder gefertigte Wasserflasche und die kleine Feldflasche mit Whiskey, die Elias auf der Station aufgefüllt hatte.
Miriam sah sich den Inhalt an. „Das wird kaum für uns alle reichen!“
„Für heute Abend schon.“
Carter nahm den größeren Flüssigkeitsbehälter in die Hand. „Wasser?“
Elias nickte. „Ein wenig.“
Carter reichte sie Miriam. „Die Damen zuerst.“
Miriam nahm einen kleinen Schluck und gab die Flasche dann an Claire weiter.
Jake beobachtete die Szene. „Wenn ich gewusst hätte, dass Gefangene so luxuriös reisen dürfen, hätte ich mich früher verhaften lassen“, entfuhr es ihm.
Carter sah ihn an. „Sie bekommen nichts.“
„Das war zu erwarten.“
Claire hielt sich die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu verbergen.
Jake grinste. „Immerhin bekomme ich Unterhaltung.“
„Davon bekommen Sie offenbar nie genug“, antwortete der Marshal.
Die kleine Mahlzeit war schnell verteilt. Danach wurde es stiller. Die Dämmerung legte sich über das Land.
Schließlich stand Miriam auf. „Claire?“
Ihre Tochter sah sie fragend an.
Miriam zögerte kurz. „Wir sollten uns vielleicht einen Platz für die Nacht suchen.“ Claire verstand sofort.
Sie sah sich um. Der Blick über die Ebene war ernüchternd.
Keine Büsche.
Keine größeren Felsen.
Nur trockenes Gras und vereinzelte niedrige Kakteen.
Claire seufzte. „Hier gibt es ja überhaupt nichts.“
Elias deutete auf eine kleine Senke ein Stück vom Weg entfernt. „Dort hinten ist der Boden etwas tiefer.“
Miriam sah in die angegebene Richtung. „Das ist aber nicht gerade ein besonders einladender Ort.“
„Nein.“
Claire sah zu ihrer Mutter. „Dann müssen wir wohl damit leben.“
Jake, der das Gespräch mitbekommen hatte, wandte sich demonstrativ den beiden zu.
„Ich sehe nichts.“
Claire musste lachen. „Das wäre auch besser.“
Carter stand auf. „Ich drehe einmal eine kurze Runde und schau mich um. Sie bleiben hier!“
Jake sah ihn an. „Sehr rücksichtsvoll.“
Carter ignorierte ihn.
Miriam und Claire entfernten sich schließlich ein Stück von der Kutsche, dorthin, wo die kleine Senke zumindest etwas Schutz vor den Blicken der Männer bot.
Elias legte noch zwei Stücke Holz ins Feuer.
Carter blieb mit dem Rücken zur Senke stehen und blickte hinaus auf die Straße.
Jake saß inzwischen wieder auf der Stufe der Kutsche. Die mit den Handschellen gefesselten Knöchel lagen auf seinen Knien. Er blickte in die Dunkelheit. Weit und breit war nichts zu erkennen.
Kein Licht.
Keine Bewegung.
Nur die letzten rötlichen Streifen am Himmel.
Jake lächelte kaum merklich. Dann sah er wieder ins Feuer.
Die Nacht begann.
Die Postkutsche - deutsche Fassung
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Blue
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 12 – Die Nacht beginnt
Die Dunkelheit war inzwischen vollständig über das Land gefallen. Das kleine Feuer neben der Kutsche brannte ruhig vor sich hin. Elias saß davor und hatte die Hände ausgestreckt, während Carter einige Schritte entfernt stand und immer wieder den dunklen Weg hinunterblickte.
Miriam und Claire saßen dicht beieinander auf der Kutschbank.
Jake hatte sich auf die Stufe gesetzt. Seine gefesselten Hände lagen noch immer locker auf seinen Knien.
Eine Zeit lang geschah nichts. Nur das Knacken des Feuers war zu hören.
„Glauben Sie, die drei bringen wirklich Hilfe für uns?“, fragte Miriam schließlich.
Carter sah hinaus in die Dunkelheit. „Ich hoffe es.“
„Sie schienen freundlich.“
„Ja.“ Er machte eine kurze Pause.
„Aber freundlich bedeutet nicht automatisch harmlos.“
Jake lächelte. „Eine vernünftige Einstellung, Marshal.“
Carter drehte sich zu ihm um. „Sie halten sich heute auffallend für einen Kenner vernünftiger Einstellungen.“
„Ich lerne schnell.“
Claire musste leise lachen. Dann verstummte sie wieder.
Irgendwo in der Dunkelheit knackte ein Zweig.
Carter richtete sich auf. „Habt ihr das gehört?“
Elias stand ebenfalls auf.
„Was?“
Wieder ein Geräusch. Dieses Mal war es kein Knacken im Gebüsch. Und es war deutlicher zu vernehmen: Hufschläge.
Langsam.
Mehrere Pferde.
Carter legte die Hand auf seinen Revolver.
„Bleiben Sie bei der Kutsche!“ forderte er die Frauen auf.
Miriam zog Claire näher zu sich.
Jake hob den Kopf. Sein Gesicht hatte sich verändert. Das Grinsen war verschwunden und einer gewissen Anspannung gewichen.
Die Hufschläge kamen näher und näher. Ohne Eile. Dann tauchten drei dunkle Gestalten am Rand des Feuerscheins auf.
Blue ritt vorne.
Hinter ihm Caleb.
Silas bildete den Abschluss.
Carter trat einen Schritt vor. „Halt!“
Blue zog die Zügel an. „Ruhig, Marshal.“
Carter ließ die Hand am Revolver. „Sie wollten doch zur Ranch.“
Blue lächelte. „Dort waren wir auch.“
Silas stieg langsam aus dem Sattel, während Caleb zunächst sitzenblieb.
Carter blickte zwischen den drei Männern hin und her. „Haben Sie Werkzeug?“
„Nein“, sagte Blue.
„Dann verstehe ich nicht, warum Sie zurückkommen.“
Blue sah kurz zur Kutsche. „Vielleicht wollten wir nur nachsehen, wie es Ihnen geht.“
Carter zog den Revolver nun ein Stück aus dem Holster. „Bleiben Sie, wo Sie sind.“
Für einen Moment geschah nichts. Dann bewegte sich Jake.
Nicht schnell. Nur einen Schritt.
Claire sah ihn fragend an. „Jake?“
Er war plötzlich ganz nahe bei ihr. Und dann schoben sich seine gefesselten Hände um ihren Oberkörper, während er sie mit einer schnellen Bewegung dicht an sich zog.
Claire stieß einen erschrockenen Laut aus.
Miriam sprang auf.
Carter fuhr herum.
„McCoy!“
Jake hielt Claire als Schutzschild vor sich und wich einen Schritt zurück. Sein Gesicht war völlig verändert. Kein Grinsen mehr. Keine freundliche Ironie. Nur eiskalte Aufmerksamkeit.
Blue blieb auf seinem Pferd sitzen.
Silas lächelte.
Carter hielt inne.
Jake sah ihn an. Dann blickte er zu den drei Männern.
Ein kurzes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Da seid ihr ja.“
Caleb deutete auf Jakes Handschellen.
„Den Schlüssel, Marshal.“
Carter hielt den Revolver noch immer in der Hand. Sein Blick ging kurz zu Claire und Jake. Dann sah er wieder zu Caleb.
„Und wenn ich nein sage?“
Dieser antwortete nicht sofort. Er sah Carter nur ruhig an.
Jake zog Claire noch ein wenig näher an sich.
Carter verstand.
Langsam griff er mit der freien Hand in seine Jackentasche und holte den kleinen Schlüssel hervor. Er hielt ihn zwischen zwei Fingern hoch.
„Ich komme einen Schritt näher. Und dann lasse ich ihn fallen.“
„Werfen Sie ihn mir zu, Marshal!“
„Einverstanden.“ Carter warf ihm den Schlüssel zu.
Caleb fing ihn geschickt auf, ging langsam zu Jake und blieb unmittelbar vor ihm stehen.
„Na, Kleiner“, sagte er trocken. „Hast du dich wieder in Schwierigkeiten gebracht?“
Jake grinste. „Ein bisschen.“
„Du lernst es wohl nie.“
„Dafür bist ja du da.“
Sein Bruder schüttelte den Kopf. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Wie immer muss ich meinen kleinen Bruder aus der Patsche holen.“ Dann schloss er die Handschellen auf.
Jake rieb sich die Handgelenke und sah seinen Bruder an. „Danke.“
„Bedank dich später. Erst müssen wir dich hier wegbringen.“
Jake grinste erneut. „Du bist immer noch derselbe.“
„Und du offenbar auch.“
Für einen kurzen Moment sahen die beiden einander an. Dann wandte Jake den Kopf und blickte zu Miriam und Claire, bevor er sich wieder an Caleb wandte.
„Warum willst du mich denn so schnell wegbringen?“
Er ließ seinen Blick noch einmal zu den beiden Frauen wandern. „Die Nacht ist doch noch lang.“
Der ältere Bruder sagte nichts. Aber Miriam hatte den Blick gesehen.
Und zum ersten Mal fragte sie sich, ob die Befreiung Jakes wirklich der einzige Grund für das Auftauchen der drei Männer gewesen war.
Die Dunkelheit war inzwischen vollständig über das Land gefallen. Das kleine Feuer neben der Kutsche brannte ruhig vor sich hin. Elias saß davor und hatte die Hände ausgestreckt, während Carter einige Schritte entfernt stand und immer wieder den dunklen Weg hinunterblickte.
Miriam und Claire saßen dicht beieinander auf der Kutschbank.
Jake hatte sich auf die Stufe gesetzt. Seine gefesselten Hände lagen noch immer locker auf seinen Knien.
Eine Zeit lang geschah nichts. Nur das Knacken des Feuers war zu hören.
„Glauben Sie, die drei bringen wirklich Hilfe für uns?“, fragte Miriam schließlich.
Carter sah hinaus in die Dunkelheit. „Ich hoffe es.“
„Sie schienen freundlich.“
„Ja.“ Er machte eine kurze Pause.
„Aber freundlich bedeutet nicht automatisch harmlos.“
Jake lächelte. „Eine vernünftige Einstellung, Marshal.“
Carter drehte sich zu ihm um. „Sie halten sich heute auffallend für einen Kenner vernünftiger Einstellungen.“
„Ich lerne schnell.“
Claire musste leise lachen. Dann verstummte sie wieder.
Irgendwo in der Dunkelheit knackte ein Zweig.
Carter richtete sich auf. „Habt ihr das gehört?“
Elias stand ebenfalls auf.
„Was?“
Wieder ein Geräusch. Dieses Mal war es kein Knacken im Gebüsch. Und es war deutlicher zu vernehmen: Hufschläge.
Langsam.
Mehrere Pferde.
Carter legte die Hand auf seinen Revolver.
„Bleiben Sie bei der Kutsche!“ forderte er die Frauen auf.
Miriam zog Claire näher zu sich.
Jake hob den Kopf. Sein Gesicht hatte sich verändert. Das Grinsen war verschwunden und einer gewissen Anspannung gewichen.
Die Hufschläge kamen näher und näher. Ohne Eile. Dann tauchten drei dunkle Gestalten am Rand des Feuerscheins auf.
Blue ritt vorne.
Hinter ihm Caleb.
Silas bildete den Abschluss.
Carter trat einen Schritt vor. „Halt!“
Blue zog die Zügel an. „Ruhig, Marshal.“
Carter ließ die Hand am Revolver. „Sie wollten doch zur Ranch.“
Blue lächelte. „Dort waren wir auch.“
Silas stieg langsam aus dem Sattel, während Caleb zunächst sitzenblieb.
Carter blickte zwischen den drei Männern hin und her. „Haben Sie Werkzeug?“
„Nein“, sagte Blue.
„Dann verstehe ich nicht, warum Sie zurückkommen.“
Blue sah kurz zur Kutsche. „Vielleicht wollten wir nur nachsehen, wie es Ihnen geht.“
Carter zog den Revolver nun ein Stück aus dem Holster. „Bleiben Sie, wo Sie sind.“
Für einen Moment geschah nichts. Dann bewegte sich Jake.
Nicht schnell. Nur einen Schritt.
Claire sah ihn fragend an. „Jake?“
Er war plötzlich ganz nahe bei ihr. Und dann schoben sich seine gefesselten Hände um ihren Oberkörper, während er sie mit einer schnellen Bewegung dicht an sich zog.
Claire stieß einen erschrockenen Laut aus.
Miriam sprang auf.
Carter fuhr herum.
„McCoy!“
Jake hielt Claire als Schutzschild vor sich und wich einen Schritt zurück. Sein Gesicht war völlig verändert. Kein Grinsen mehr. Keine freundliche Ironie. Nur eiskalte Aufmerksamkeit.
Blue blieb auf seinem Pferd sitzen.
Silas lächelte.
Carter hielt inne.
Jake sah ihn an. Dann blickte er zu den drei Männern.
Ein kurzes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Da seid ihr ja.“
Caleb deutete auf Jakes Handschellen.
„Den Schlüssel, Marshal.“
Carter hielt den Revolver noch immer in der Hand. Sein Blick ging kurz zu Claire und Jake. Dann sah er wieder zu Caleb.
„Und wenn ich nein sage?“
Dieser antwortete nicht sofort. Er sah Carter nur ruhig an.
Jake zog Claire noch ein wenig näher an sich.
Carter verstand.
Langsam griff er mit der freien Hand in seine Jackentasche und holte den kleinen Schlüssel hervor. Er hielt ihn zwischen zwei Fingern hoch.
„Ich komme einen Schritt näher. Und dann lasse ich ihn fallen.“
„Werfen Sie ihn mir zu, Marshal!“
„Einverstanden.“ Carter warf ihm den Schlüssel zu.
Caleb fing ihn geschickt auf, ging langsam zu Jake und blieb unmittelbar vor ihm stehen.
„Na, Kleiner“, sagte er trocken. „Hast du dich wieder in Schwierigkeiten gebracht?“
Jake grinste. „Ein bisschen.“
„Du lernst es wohl nie.“
„Dafür bist ja du da.“
Sein Bruder schüttelte den Kopf. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht. „Wie immer muss ich meinen kleinen Bruder aus der Patsche holen.“ Dann schloss er die Handschellen auf.
Jake rieb sich die Handgelenke und sah seinen Bruder an. „Danke.“
„Bedank dich später. Erst müssen wir dich hier wegbringen.“
Jake grinste erneut. „Du bist immer noch derselbe.“
„Und du offenbar auch.“
Für einen kurzen Moment sahen die beiden einander an. Dann wandte Jake den Kopf und blickte zu Miriam und Claire, bevor er sich wieder an Caleb wandte.
„Warum willst du mich denn so schnell wegbringen?“
Er ließ seinen Blick noch einmal zu den beiden Frauen wandern. „Die Nacht ist doch noch lang.“
Der ältere Bruder sagte nichts. Aber Miriam hatte den Blick gesehen.
Und zum ersten Mal fragte sie sich, ob die Befreiung Jakes wirklich der einzige Grund für das Auftauchen der drei Männer gewesen war.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 13 – Gefesselt
Carter hatte kaum Zeit, den Revolver in das Holster zurückzuschieben. Der kräftig gebaute Mann trat auf ihn zu und streckte die Hand aus.
„Die Waffe.“
Carter sah ihn einen Augenblick lang an. Dann reichte er ihm den Revolver.
Caleb nahm ihn und steckte ihn in seinen eigenen Gürtel. „Und jetzt zur Kutsche.“
Carter ließ sich widerstandslos zur Seite führen. Einer der Männer schnitt ein Stück Seil aus dem Zaumzeug der Kutschpferde und band seine Hände hinter dem Rücken zusammen. Anschließend wurde er so an einem kräftigen Holm der Kutsche befestigt
Elias beobachtete das Ganze vom Feuer aus. Als Caleb auch auf ihn zukam, hob er freiwillig beide Hände. „Sie brauchen mich nicht erst zu bitten.“
Caleb blieb vor ihm stehen. „Dann machen Sie es uns leicht.“
„Das versuche ich schon mein ganzes Leben.“
Elias stand auf. Er ließ sich ebenfalls fesseln und neben Carter an die Kutsche binden. Dabei sah er kurz auf das Seil und dann zu seinem Wagen.
„Nun ja“, murmelte er, „es ist schließlich nicht das erste Mal, dass meine Kutsche überfallen wird.“
Carter sah ihn von der Seite an.
Elias zuckte mit den Schultern. „Und hoffentlich auch nicht das letzte Mal.“
Blue schnaubte kurz, als hätte er Mühe, ein Lachen zu unterdrücken. Dann wandte er sich den anderen zu.
Für Elias war die Sache damit vorerst erledigt. Für Miriam und Claire hingegen sollte sie gerade erst beginnen.
Carter hatte kaum Zeit, den Revolver in das Holster zurückzuschieben. Der kräftig gebaute Mann trat auf ihn zu und streckte die Hand aus.
„Die Waffe.“
Carter sah ihn einen Augenblick lang an. Dann reichte er ihm den Revolver.
Caleb nahm ihn und steckte ihn in seinen eigenen Gürtel. „Und jetzt zur Kutsche.“
Carter ließ sich widerstandslos zur Seite führen. Einer der Männer schnitt ein Stück Seil aus dem Zaumzeug der Kutschpferde und band seine Hände hinter dem Rücken zusammen. Anschließend wurde er so an einem kräftigen Holm der Kutsche befestigt
Elias beobachtete das Ganze vom Feuer aus. Als Caleb auch auf ihn zukam, hob er freiwillig beide Hände. „Sie brauchen mich nicht erst zu bitten.“
Caleb blieb vor ihm stehen. „Dann machen Sie es uns leicht.“
„Das versuche ich schon mein ganzes Leben.“
Elias stand auf. Er ließ sich ebenfalls fesseln und neben Carter an die Kutsche binden. Dabei sah er kurz auf das Seil und dann zu seinem Wagen.
„Nun ja“, murmelte er, „es ist schließlich nicht das erste Mal, dass meine Kutsche überfallen wird.“
Carter sah ihn von der Seite an.
Elias zuckte mit den Schultern. „Und hoffentlich auch nicht das letzte Mal.“
Blue schnaubte kurz, als hätte er Mühe, ein Lachen zu unterdrücken. Dann wandte er sich den anderen zu.
Für Elias war die Sache damit vorerst erledigt. Für Miriam und Claire hingegen sollte sie gerade erst beginnen.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 14 – Erste Annäherungsversuche
Blue trat zu seinem Pferd und öffnete dessen Satteltasche. „Sie haben sicherlich schon seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen!“ wandte er sich an die Frauen. Dann holte er Brot, getrocknetes Fleisch und seine eigene Feldflasche hervor und reichte alles Miriam.
„Bitte.“
Miriam zögerte kurz, nahm es dann aber.
„Danke.“
„Gern.“
Auch Claire bekam etwas zu essen und zu trinken.
Jake setzte sich in ihre Nähe und betrachtete sie mit seinem gewohnten, beinahe freundlichen Grinsen, während Silas an der Kutsche lehnte und wie gewohnt auf seinem Tabak herumkaute.
Für einen Augenblick wirkte die Situation beinahe friedlich. Fast so, als wären die drei Männer tatsächlich nur gekommen, um Jake zu befreien.
Miriam sah zu Blue. Der erwiderte ihren Blick ruhig.
Und wieder fragte sie sich, was dieser Mann wirklich vorhatte.
Bis auf den Marshal und Elias saßen alle um das leise vor sich hin knackende Feuer herum, aßen von den Vorräten der drei Männer und tranken.

Für einige Minuten wurde kaum gesprochen. Dann sah Jake zu seinem Bruder.
„Erinnerst du dich an die Station am Red Creek?“
Sein Bruder grinste. „Wie könnte ich die vergessen?“
Silas kaute auf seinem Tabak und starrte ins Feuer. „Die Kleine damals hatte wirklich schöne rote Haare.“
Jake grinste. „Die mit den Sommersprossen?“
Silas nickte langsam. „Sommersprossen im Gesicht“, sagte er mit einem schiefen Grinsen, „und noch ein paar mehr.“
Jake lachte leise.
Claire sah von einem zum anderen. „Was meint er damit?“ fragte sie ihre Mutter.
Miriam antwortete sofort: „Nichts, worüber du dir Gedanken machen musst.“
Claire runzelte die Stirn, ließ es aber zunächst dabei bewenden. Miriam dagegen sah Silas noch einen Augenblick länger an. Sie hatte sehr wohl verstanden, was er meinte.
Jake rückte ein Stück näher an Claire heran. Nicht viel – gerade genug, dass ihre Schultern beinahe aneinanderstießen.
„Kalt?“ fragte er mit einem leichten Grinsen.
Claire schüttelte den Kopf.
Ein paar Schritte entfernt sitzend hatte Blue inzwischen Miriam ins Auge gefasst. Sein Blick blieb länger auf ihr liegen, als ihr lieb war.
Caleb bemerkte beides. Er sagte nichts. Sein Blick wanderte zwischen den Männern, den Frauen und der Dunkelheit jenseits des Feuers hin und her. Nur Silas schien sich zunehmend unwohl zu fühlen. Er kaute heftiger auf seinem Tabak und beobachtete Jake.
„Du machst es dir aber gemütlich, Kleiner“, sagte er schließlich.
Jake grinste. „Warum nicht?“
Silas antwortete nicht. Sein Blick blieb einen Moment zu lange auf Claire liegen. Dann sah er wieder ins Feuer.
Etwas an Jakes Verhalten schien ihm nicht zu gefallen.
Blue trat zu seinem Pferd und öffnete dessen Satteltasche. „Sie haben sicherlich schon seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen!“ wandte er sich an die Frauen. Dann holte er Brot, getrocknetes Fleisch und seine eigene Feldflasche hervor und reichte alles Miriam.
„Bitte.“
Miriam zögerte kurz, nahm es dann aber.
„Danke.“
„Gern.“
Auch Claire bekam etwas zu essen und zu trinken.
Jake setzte sich in ihre Nähe und betrachtete sie mit seinem gewohnten, beinahe freundlichen Grinsen, während Silas an der Kutsche lehnte und wie gewohnt auf seinem Tabak herumkaute.
Für einen Augenblick wirkte die Situation beinahe friedlich. Fast so, als wären die drei Männer tatsächlich nur gekommen, um Jake zu befreien.
Miriam sah zu Blue. Der erwiderte ihren Blick ruhig.
Und wieder fragte sie sich, was dieser Mann wirklich vorhatte.
Bis auf den Marshal und Elias saßen alle um das leise vor sich hin knackende Feuer herum, aßen von den Vorräten der drei Männer und tranken.

Für einige Minuten wurde kaum gesprochen. Dann sah Jake zu seinem Bruder.
„Erinnerst du dich an die Station am Red Creek?“
Sein Bruder grinste. „Wie könnte ich die vergessen?“
Silas kaute auf seinem Tabak und starrte ins Feuer. „Die Kleine damals hatte wirklich schöne rote Haare.“
Jake grinste. „Die mit den Sommersprossen?“
Silas nickte langsam. „Sommersprossen im Gesicht“, sagte er mit einem schiefen Grinsen, „und noch ein paar mehr.“
Jake lachte leise.
Claire sah von einem zum anderen. „Was meint er damit?“ fragte sie ihre Mutter.
Miriam antwortete sofort: „Nichts, worüber du dir Gedanken machen musst.“
Claire runzelte die Stirn, ließ es aber zunächst dabei bewenden. Miriam dagegen sah Silas noch einen Augenblick länger an. Sie hatte sehr wohl verstanden, was er meinte.
Jake rückte ein Stück näher an Claire heran. Nicht viel – gerade genug, dass ihre Schultern beinahe aneinanderstießen.
„Kalt?“ fragte er mit einem leichten Grinsen.
Claire schüttelte den Kopf.
Ein paar Schritte entfernt sitzend hatte Blue inzwischen Miriam ins Auge gefasst. Sein Blick blieb länger auf ihr liegen, als ihr lieb war.
Caleb bemerkte beides. Er sagte nichts. Sein Blick wanderte zwischen den Männern, den Frauen und der Dunkelheit jenseits des Feuers hin und her. Nur Silas schien sich zunehmend unwohl zu fühlen. Er kaute heftiger auf seinem Tabak und beobachtete Jake.
„Du machst es dir aber gemütlich, Kleiner“, sagte er schließlich.
Jake grinste. „Warum nicht?“
Silas antwortete nicht. Sein Blick blieb einen Moment zu lange auf Claire liegen. Dann sah er wieder ins Feuer.
Etwas an Jakes Verhalten schien ihm nicht zu gefallen.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 15 – Erste Spannungen
Caleb stand auf und ging ein paar Schritte vom Feuer weg.
Er prüfte ihre Pferde, sah zur Straße und ließ den Blick über die dunkle Umgebung wandern. Für eine Weile blieb er stehen und lauschte. Dann kehrte er zum Feuer zurück.
„Die Pferde sind ruhig. Auf der Straße ist niemand.“
Blue nickte. „Gut.“
Caleb sah noch einmal zu Jake und Claire.
„Wir sollten trotzdem nicht bis zum Morgen hier sitzen.“
Blue blickte nur kurz hoch. „Noch nicht.“
Caleb erwiderte den Blick, sagte aber nichts. Dann setzte er sich wieder ans Feuer.
Die Dämmerung war endgültig verschwunden. Nur das Feuer warf noch schwache, flackernde Schatten auf die dunkle Prärie.
Für einige Augenblicke sagte niemand etwas.
Jake saß noch immer neben Claire.
Blue hatte Miriam im Blick.
Caleb beobachtete die Umgebung.
Nur Silas schien sich nicht mehr für das Feuer zu interessieren. Sein Blick lag auf Claire. Lange.
Jake bemerkte es. Sein Grinsen verschwand. Ohne ein Wort rückte er ein wenig näher an Claire heran.
Silas sah die Bewegung. Sein Blick wanderte langsam von Jake zu Claire und wieder zurück.
Für einen Augenblick sagte keiner der beiden etwas. Dann lächelte Silas.
Jake erwiderte das Lächeln nicht.
Caleb bemerkte den kurzen Austausch, maß ihm aber keine besondere Bedeutung bei. Für ihn sah es lediglich so aus, als würden sich die beiden wegen irgendeiner Kleinigkeit aneinanderreiben.
Blue bekam davon ebenfalls etwas mit. Aber auch er sagte nichts dazu. Sein Blick blieb auf Miriam gerichtet.
Silas kaute langsam auf seinem Tabak. Sein Blick wanderte noch einmal zwischen Jake und Claire hin und her. Jake war bereits dicht an das Mädchen herangerückt.
Silas hätte nur aufstehen müssen. Aber er tat es nicht.
Stattdessen sah er kurz zu Caleb.
Der saß noch immer ruhig am Feuer und beobachtete die Umgebung.
Silas kannte ihn. Caleb würde sich wahrscheinlich erst einmischen, wenn er glaubte, dass Jake in Gefahr war. Bei anderen Dingen hielt er sich meistens heraus. Vielleicht war es deshalb besser, Jake seinen kleinen Triumph zu lassen.
Silas lächelte kaum merklich. Manchmal konnte es wahrscheinlich besser sein, nicht der Erste zu sein.
Jake sah Claire an. Das Feuer spiegelte sich in ihren Augen. Ihre Nähe erinnerte ihn unwillkürlich an die Farm. An den Abend, der ihn schließlich hierhergebracht hatte. Seitdem hatte er keine Frau mehr so nahe bei sich gehabt.
Seine Gedanken kehrten immer wieder zu Claire zurück. Mit jedem Augenblick fiel es ihm schwerer, an etwas anderes zu denken.
Silas beobachtete ihn aufmerksam, doch Jake bemerkte seinen Blick nicht. Er sah nur Claire.
Und Silas begann sich zu fragen, ob es tatsächlich klüger wäre, den Jungen gewähren zu lassen.
Das Feuer knackte.
Jake saß noch immer viel zu nah bei Claire.
Silas kaute stumm vor sich hin und beobachtete.
Caleb hörte in die Dunkelheit.
Carter überlegte vermutlich, wie er wieder aus den Fesseln kommt.
Miriam beobachtete Blue. Und Blue beobachtete Miriam.
Irgendwo draußen wieherten die Pferde.
Caleb stand auf und ging ein paar Schritte vom Feuer weg.
Er prüfte ihre Pferde, sah zur Straße und ließ den Blick über die dunkle Umgebung wandern. Für eine Weile blieb er stehen und lauschte. Dann kehrte er zum Feuer zurück.
„Die Pferde sind ruhig. Auf der Straße ist niemand.“
Blue nickte. „Gut.“
Caleb sah noch einmal zu Jake und Claire.
„Wir sollten trotzdem nicht bis zum Morgen hier sitzen.“
Blue blickte nur kurz hoch. „Noch nicht.“
Caleb erwiderte den Blick, sagte aber nichts. Dann setzte er sich wieder ans Feuer.
Die Dämmerung war endgültig verschwunden. Nur das Feuer warf noch schwache, flackernde Schatten auf die dunkle Prärie.
Für einige Augenblicke sagte niemand etwas.
Jake saß noch immer neben Claire.
Blue hatte Miriam im Blick.
Caleb beobachtete die Umgebung.
Nur Silas schien sich nicht mehr für das Feuer zu interessieren. Sein Blick lag auf Claire. Lange.
Jake bemerkte es. Sein Grinsen verschwand. Ohne ein Wort rückte er ein wenig näher an Claire heran.
Silas sah die Bewegung. Sein Blick wanderte langsam von Jake zu Claire und wieder zurück.
Für einen Augenblick sagte keiner der beiden etwas. Dann lächelte Silas.
Jake erwiderte das Lächeln nicht.
Caleb bemerkte den kurzen Austausch, maß ihm aber keine besondere Bedeutung bei. Für ihn sah es lediglich so aus, als würden sich die beiden wegen irgendeiner Kleinigkeit aneinanderreiben.
Blue bekam davon ebenfalls etwas mit. Aber auch er sagte nichts dazu. Sein Blick blieb auf Miriam gerichtet.
Silas kaute langsam auf seinem Tabak. Sein Blick wanderte noch einmal zwischen Jake und Claire hin und her. Jake war bereits dicht an das Mädchen herangerückt.
Silas hätte nur aufstehen müssen. Aber er tat es nicht.
Stattdessen sah er kurz zu Caleb.
Der saß noch immer ruhig am Feuer und beobachtete die Umgebung.
Silas kannte ihn. Caleb würde sich wahrscheinlich erst einmischen, wenn er glaubte, dass Jake in Gefahr war. Bei anderen Dingen hielt er sich meistens heraus. Vielleicht war es deshalb besser, Jake seinen kleinen Triumph zu lassen.
Silas lächelte kaum merklich. Manchmal konnte es wahrscheinlich besser sein, nicht der Erste zu sein.
Jake sah Claire an. Das Feuer spiegelte sich in ihren Augen. Ihre Nähe erinnerte ihn unwillkürlich an die Farm. An den Abend, der ihn schließlich hierhergebracht hatte. Seitdem hatte er keine Frau mehr so nahe bei sich gehabt.
Seine Gedanken kehrten immer wieder zu Claire zurück. Mit jedem Augenblick fiel es ihm schwerer, an etwas anderes zu denken.
Silas beobachtete ihn aufmerksam, doch Jake bemerkte seinen Blick nicht. Er sah nur Claire.
Und Silas begann sich zu fragen, ob es tatsächlich klüger wäre, den Jungen gewähren zu lassen.
Das Feuer knackte.
Jake saß noch immer viel zu nah bei Claire.
Silas kaute stumm vor sich hin und beobachtete.
Caleb hörte in die Dunkelheit.
Carter überlegte vermutlich, wie er wieder aus den Fesseln kommt.
Miriam beobachtete Blue. Und Blue beobachtete Miriam.
Irgendwo draußen wieherten die Pferde.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 16 – Ein Feuer erlischt
Ringsum war es still geworden.
Claire war von Jake abgerückt und nun hatte sie sich mit Miriam etwas abseits des Feuers niedergelassen. Sie saßen dicht nebeneinander, während die Männer schweigend um das Feuer herum sitzen blieben.
Claire legte sich schließlich auf dem Rücken und blickte in den sternenklaren Himmel. So viele Sterne hatte sie noch nie gesehen. Für einen Moment verlor sie sich in ihrem Anblick und in ihren eigenen Gedanken. Die Nachtfee, als die sie sich schon immer gern in Träumereien verloren hatte, war noch weit davon entfernt zu ahnen, welche Gefahren um sie herum lauerten.
Auch Miriam lag nun neben ihr und schloss für einen Moment die Augen. Auch sie fand keinen Schlaf. Zu vieles ging ihr durch den Kopf.
Carter bewegte seine gefesselten Hände immer wieder vorsichtig und prüfte das Seil. Auch Elias versuchte von Zeit zu Zeit, seine Fesseln etwas zu lockern. Beide taten es unauffällig und ohne miteinander zu sprechen.
Jake dachte nicht einmal daran, sich hinzulegen. Er hatte nur einen Gedanken: Claire.
Auch Silas dachte an Claire. Doch während Jake noch überlegte, wie er sich Claire wieder nähern konnte, wusste Silas längst, dass er seinen eigenen Weg gehen würde.
Caleb saß etwas abseits und beobachtete seine Kameraden.
Er kannte seinen Bruder Jake. Und er hatte auch Silas kennengelernt. Er wusste, wozu die beiden fähig waren. Nur bei Blue war er sich nicht ganz sicher.
Auch Blue saß ruhig am Feuer. Sein Blick wanderte immer wieder zu Miriam.
Er mochte diese Frau. Nicht nur wegen ihres Aussehens. Ihre Ruhe, ihre Art zu sprechen und ihre Selbstbeherrschung interessierten ihn. Und natürlich begehrte er sie auch. Nur wusste er selbst noch nicht, wie er bei ihr ans Ziel kommen sollte.
Das Feuer knackte ein letztes Mal auf. Die Flamme wurde kleiner und kleiner. Ein Stück Holz zerfiel zu Asche.
Blue sah in die Glut. „Wir brauchen Holz.“
Niemand bewegte sich.
Silas sah kurz zu Jake.
Jake sah zu Silas.
Caleb blickte in die Runde.
Keiner machte Anstalten aufzustehen.
Caleb wartete noch einen Moment. Dann stieß er hörbar die Luft aus. „Na schön.“ Er erhob sich.
„Wenn Ihr Herren euch zu fein seid, ein paar trockene Zweige zu sammeln, mache ich es eben selbst.“
Blue sah zu ihm auf. Caleb warf ihm einen kurzen, leicht verärgerten Blick zu.
„Ich bin gleich zurück.“
Dann ging er in die Dunkelheit.
Ringsum war es still geworden.
Claire war von Jake abgerückt und nun hatte sie sich mit Miriam etwas abseits des Feuers niedergelassen. Sie saßen dicht nebeneinander, während die Männer schweigend um das Feuer herum sitzen blieben.
Claire legte sich schließlich auf dem Rücken und blickte in den sternenklaren Himmel. So viele Sterne hatte sie noch nie gesehen. Für einen Moment verlor sie sich in ihrem Anblick und in ihren eigenen Gedanken. Die Nachtfee, als die sie sich schon immer gern in Träumereien verloren hatte, war noch weit davon entfernt zu ahnen, welche Gefahren um sie herum lauerten.
Auch Miriam lag nun neben ihr und schloss für einen Moment die Augen. Auch sie fand keinen Schlaf. Zu vieles ging ihr durch den Kopf.
Carter bewegte seine gefesselten Hände immer wieder vorsichtig und prüfte das Seil. Auch Elias versuchte von Zeit zu Zeit, seine Fesseln etwas zu lockern. Beide taten es unauffällig und ohne miteinander zu sprechen.
Jake dachte nicht einmal daran, sich hinzulegen. Er hatte nur einen Gedanken: Claire.
Auch Silas dachte an Claire. Doch während Jake noch überlegte, wie er sich Claire wieder nähern konnte, wusste Silas längst, dass er seinen eigenen Weg gehen würde.
Caleb saß etwas abseits und beobachtete seine Kameraden.
Er kannte seinen Bruder Jake. Und er hatte auch Silas kennengelernt. Er wusste, wozu die beiden fähig waren. Nur bei Blue war er sich nicht ganz sicher.
Auch Blue saß ruhig am Feuer. Sein Blick wanderte immer wieder zu Miriam.
Er mochte diese Frau. Nicht nur wegen ihres Aussehens. Ihre Ruhe, ihre Art zu sprechen und ihre Selbstbeherrschung interessierten ihn. Und natürlich begehrte er sie auch. Nur wusste er selbst noch nicht, wie er bei ihr ans Ziel kommen sollte.
Das Feuer knackte ein letztes Mal auf. Die Flamme wurde kleiner und kleiner. Ein Stück Holz zerfiel zu Asche.
Blue sah in die Glut. „Wir brauchen Holz.“
Niemand bewegte sich.
Silas sah kurz zu Jake.
Jake sah zu Silas.
Caleb blickte in die Runde.
Keiner machte Anstalten aufzustehen.
Caleb wartete noch einen Moment. Dann stieß er hörbar die Luft aus. „Na schön.“ Er erhob sich.
„Wenn Ihr Herren euch zu fein seid, ein paar trockene Zweige zu sammeln, mache ich es eben selbst.“
Blue sah zu ihm auf. Caleb warf ihm einen kurzen, leicht verärgerten Blick zu.
„Ich bin gleich zurück.“
Dann ging er in die Dunkelheit.
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Blue
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 17 – Die Farm
Eine Eule flatterte irgendwo auf. Ihr Flügelschlag war nur für einen Augenblick zu hören.
Weiter draußen heulte ein Kojote.
Die Pferde hatten aufgehört zu grasen. Alles, was sie in Reichweite gefunden hatten, war abgefressen. Nur gelegentlich war ein leises Schnauben zu hören.
Das Feuer war inzwischen zu einem niedrigen Kranz aus Glut und Asche geworden
.
Niemand sprach. Stille lag schwer über dem Lager.
Jake sah zu Claire hinüber.
Sie lag noch immer auf dem Rücken und betrachtete den Himmel.
Jake stand auf und ging langsam zu ihr.
Claire bemerkte ihn und drehte den Kopf.
„Kannst du auch nicht schlafen?“ fragte Jake leise. Claire, die den Übergang vom „Sie“ zum „Du“ bemerkt hatte, schüttelte den Kopf. „Nein. Ich glaube, heute Nacht werde ich überhaupt nicht schlafen können.“
Jake setzte sich neben sie.
Ein Stück hinter ihnen saß Silas noch immer am Feuer. Sein Blick ruhte auf den beiden.
Jake war wieder etwas näher an Claire herangerückt, die noch immer die Sterne am Himmel betrachtete. Als er sich noch ein wenig näher zu ihr setzen wollte, drehte sie sich leicht zu ihm um. Durch die Bewegung verschob sich ihr Rock etwas. Unter dem Saum wurde der helle Rand eines Unterrockes sichtbar, darüber ein schmaler Streifen Haut.
Jake bemerkte es. Sein Blick blieb einen Augenblick dort hängen, bevor er wieder zu Claires Gesicht zurückkehrte.
Für einen Augenblick war Claire nicht mehr Claire. Vor Jakes Augen erschien ein anderes Gesicht. Das Gesicht eines jungen Mädchens, unsicher, erschrocken.
Er kannte diesen Blick. Er hatte ihn schon öfter gesehen – bei anderen Mädchen, immer in dem Augenblick, in dem sie begriffen hatten, was er wirklich vorhatte.
Auch auf der Farm hatte er diesen Blick gesehen.
Und plötzlich war der Abend wieder da.
„Jake?“ Claires leise Stimme holte ihn zurück. Sie sah ihn fragend an. „Alles in Ordnung?“ Doch Jake hörte sie nicht.
In Gedanken war er meilenweit entfernt:
Blue hatte damals die einsame Farm eines vermögenden Ranchers ausgekundschaftet. Sie lag einige Meilen abseits des nächsten Ortes.
Schon seit dem Mittag hatten sie sie aus sicherer Entfernung beobachtet. Der Farmer hatte nach seinen Zuchtpferden gesehen und diese gefüttert und gestriegelt. Seine Ehefrau und die Tochter hatten den Gemüsegarten in Ordnung gebracht. Und ein dunkelhäutiges Dienstmädchen hatte hinter dem Haus Wäsche auf die Leine gehängt.
Als die Dämmerung hereinbrach, gab Blue schließlich das Zeichen. Dann sattelten sie ihre Pferde und ritten auf das Farmhaus zu.
Sie waren gekommen, um reiche Beute zu machen. Und hoffentlich nicht nur Geld, wie Jake damals beim Anblick der drei Frauen für sich gedacht hatte.
Der Überfall war kurz und brutal.
Silas trat die Haustür mit einem gezielten Tritt in Trümmer, so dass die Bande ungehindert mit gezogenen Waffen ins Haus stürmen konnte.
Im Esszimmer fanden sie den Farmer, seine Ehefrau und die Tochter vor. Das Dienstmädchen hatte gerade die Suppe abgetragen und war im Begriff, Fleisch und Kartoffeln zu bringen. Vor Schreck ließ sie das Essen fallen.
Noch bevor der Farmer reagieren konnte, hatte Caleb ihm den Revolver unters Kinn gedrückt.
Blue wandte sich den Frauen zu.
„Ganz ruhig, Ladies. Dann passiert Ihnen nichts.“ Seine Stimme klang beinahe freundlich.
„Caleb, fessle ihn.“
Caleb nahm dem Farmer den Revolver ab und zwang ihn, sich auf einen Stuhl zu setzen. Wenig später waren seine Hände hinter dem Rücken gefesselt.
Blue trat einen Schritt näher auf ihn zu. „Nun“, sagte er ruhig, fast freundlich, „wo bewahrst du dein Geld auf? Und den Schmuck deiner Frau?“
Der Farmer schwieg.
Blues Lächeln verschwand nicht. Doch in seinen hellblauen Augen lag plötzlich ein harter Glanz. „Ich habe dich gefragt, wo das Geld ist.“
Der Farmer stieß einen derben Fluch aus. „Zum Teufel mit euch! Ihr bekommt keinen verdammten Dollar von mir!“
Seine Tochter klammerte sich erschrocken an ihre Mutter. Das Dienstmädchen stand wie erstarrt da. Ihre großen, schreckgeweiteten braunen Augen wanderten von einem Mann zum anderen, während sie beide Hände vor den Mund presste.
Jake und Caleb ließen ihre Blicke durch den Raum schweifen. Die schweren Möbel, das Silber auf dem Tisch, die Bilder an den Wänden – alles verriet, dass der Farmer nicht arm war.
Jake grinste leicht.
Caleb sagte nichts. Er sah sich nur weiter um.
Silas dagegen interessierte sich für all das kaum. Sein Blick war längst auf etwas anderes gerichtet.
Blue registrierte die Weigerung des Farmers mit einem missbilligenden Stirnrunzeln. Dann setzte er sich selbst in Bewegung. Er öffnete die erste Schublade, durchsuchte sie und fand nichts. Auch die nächsten enthielten weder Geld noch Schmuck.
Caleb begann ebenfalls zu suchen. Allerdings mit deutlich weniger Geduld. Er riss die Schubladen regelrecht heraus, warf ihren Inhalt beiseite und durchsuchte anschließend die angrenzenden Räume.
Eine Weile später kehrte er ins Esszimmer zurück. In seiner Hand hielt er nur eine kleine Handvoll Dollar. „Das ist alles, Boss!“
Blue betrachtete die Scheine in Calebs Hand und schüttelte langsam den Kopf. „Das kann nicht sein.“
Sein Blick wanderte durch den Raum. „Hier stinkt es nach Geld.“ Dann wandte er sich an die Frau des Farmers.
„Was ist oben?“
„Nur die Schlafräume“, antwortete sie kurz angebunden.
Blue schüttelte langsam den Kopf. Dann trat er auf die Frau zu, packte sie am Arm und riss sie von ihrer Tochter weg.
Die Tochter wich erschrocken zurück. Blue stieß sie in Richtung Jake, der sie mit einem breiten Grinsen auffing.
Blue hielt die Frau des Farmers fest im Griff und deutete zur Treppe.
„Dann sehen wir beide uns oben einmal um, Schätzchen.“
Noch bevor Jake weiter in seiner Erinnerung kramen konnte, kam Caleb mit einem Bündel Holz aus der Dunkelheit zurück und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Da drüben liegt noch mehr“, sagte Caleb zu Silas und deutete in die Richtung, aus der er gekommen war. Dann legte er das Holz neben die Feuerstelle und begann, die Glut wieder anzufachen.
Silas erhob sich widerwillig, spuckte seinen Kautabak neben das Feuer und ging in die Richtung, die Caleb ihm gezeigt hatte.
Caleb wandte sich von Silas ab und warf einen Blick in die Runde. Dabei bemerkte er, dass Jake inzwischen neben der jungen Frau saß und offenbar völlig in Gedanken versunken war.
Seine Stirn legte sich leicht in Falten. Offenbar brachte die Freiheit seinen kleinen Bruder schon wieder auf dumme Gedanken.
Dann bemerkte er Blue, der sich in einigem Abstand neben die Mutter des Mädchens gesetzt hatte und inzwischen ebenfalls seinen Blick auf Jake gerichtet hatte. Dabei kaute er nachdenklich auf einem trockenen Grashalm herum.
Calebs Auftauchen hatte auch Jake aus seinen Gedanken gerissen. Langsam richtete er seinen Blick wieder auf Claire. Die hatte ihre Lage auf dem Boden ein wenig verändert. Nicht viel. Doch nun war zwischen Rocksaum und Stiefelette etwas mehr von ihrem Bein zu sehen.
Eigentlich war es nichts Besonderes. Für Jake schon.
Sein Blick blieb einen Augenblick daran hängen, bevor er wieder zu Claires Gesicht wanderte.
„Du machst es mir nicht gerade leicht, Claire.“
Sie sah ihn fragend an. „Was mache ich denn?“
Jake lächelte. „Du weißt es wirklich nicht?“
Claire schüttelte den Kopf. „Nein.“
„Dann solltest du vielleicht vorsichtiger sein.“
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Womit?“
Jake antwortete nicht sofort. „Mit mir.“
Claire sah ihn einige Sekunden an. Dann musste sie leise lachen.
Ein paar Schritte entfernt hatte Miriam jedes Wort gehört. Ihr Blick blieb aufmerksam auf die beiden gerichtet.
Auch Blue hatte das Gespräch verfolgt. Er sagte nichts, doch sein Blick wanderte zwischen Jake und Claire hin und her.
Caleb hingegen tat, als interessiere ihn das alles überhaupt nicht. Er stand auf und ging zu Elias und Carter hinüber.
Er wollte sehen, ob die beiden noch ordentlich gefesselt waren.
Eine Eule flatterte irgendwo auf. Ihr Flügelschlag war nur für einen Augenblick zu hören.
Weiter draußen heulte ein Kojote.
Die Pferde hatten aufgehört zu grasen. Alles, was sie in Reichweite gefunden hatten, war abgefressen. Nur gelegentlich war ein leises Schnauben zu hören.
Das Feuer war inzwischen zu einem niedrigen Kranz aus Glut und Asche geworden
.
Niemand sprach. Stille lag schwer über dem Lager.
Jake sah zu Claire hinüber.
Sie lag noch immer auf dem Rücken und betrachtete den Himmel.
Jake stand auf und ging langsam zu ihr.
Claire bemerkte ihn und drehte den Kopf.
„Kannst du auch nicht schlafen?“ fragte Jake leise. Claire, die den Übergang vom „Sie“ zum „Du“ bemerkt hatte, schüttelte den Kopf. „Nein. Ich glaube, heute Nacht werde ich überhaupt nicht schlafen können.“
Jake setzte sich neben sie.
Ein Stück hinter ihnen saß Silas noch immer am Feuer. Sein Blick ruhte auf den beiden.
Jake war wieder etwas näher an Claire herangerückt, die noch immer die Sterne am Himmel betrachtete. Als er sich noch ein wenig näher zu ihr setzen wollte, drehte sie sich leicht zu ihm um. Durch die Bewegung verschob sich ihr Rock etwas. Unter dem Saum wurde der helle Rand eines Unterrockes sichtbar, darüber ein schmaler Streifen Haut.
Jake bemerkte es. Sein Blick blieb einen Augenblick dort hängen, bevor er wieder zu Claires Gesicht zurückkehrte.
Für einen Augenblick war Claire nicht mehr Claire. Vor Jakes Augen erschien ein anderes Gesicht. Das Gesicht eines jungen Mädchens, unsicher, erschrocken.
Er kannte diesen Blick. Er hatte ihn schon öfter gesehen – bei anderen Mädchen, immer in dem Augenblick, in dem sie begriffen hatten, was er wirklich vorhatte.
Auch auf der Farm hatte er diesen Blick gesehen.
Und plötzlich war der Abend wieder da.
„Jake?“ Claires leise Stimme holte ihn zurück. Sie sah ihn fragend an. „Alles in Ordnung?“ Doch Jake hörte sie nicht.
In Gedanken war er meilenweit entfernt:
Blue hatte damals die einsame Farm eines vermögenden Ranchers ausgekundschaftet. Sie lag einige Meilen abseits des nächsten Ortes.
Schon seit dem Mittag hatten sie sie aus sicherer Entfernung beobachtet. Der Farmer hatte nach seinen Zuchtpferden gesehen und diese gefüttert und gestriegelt. Seine Ehefrau und die Tochter hatten den Gemüsegarten in Ordnung gebracht. Und ein dunkelhäutiges Dienstmädchen hatte hinter dem Haus Wäsche auf die Leine gehängt.
Als die Dämmerung hereinbrach, gab Blue schließlich das Zeichen. Dann sattelten sie ihre Pferde und ritten auf das Farmhaus zu.
Sie waren gekommen, um reiche Beute zu machen. Und hoffentlich nicht nur Geld, wie Jake damals beim Anblick der drei Frauen für sich gedacht hatte.
Der Überfall war kurz und brutal.
Silas trat die Haustür mit einem gezielten Tritt in Trümmer, so dass die Bande ungehindert mit gezogenen Waffen ins Haus stürmen konnte.
Im Esszimmer fanden sie den Farmer, seine Ehefrau und die Tochter vor. Das Dienstmädchen hatte gerade die Suppe abgetragen und war im Begriff, Fleisch und Kartoffeln zu bringen. Vor Schreck ließ sie das Essen fallen.
Noch bevor der Farmer reagieren konnte, hatte Caleb ihm den Revolver unters Kinn gedrückt.
Blue wandte sich den Frauen zu.
„Ganz ruhig, Ladies. Dann passiert Ihnen nichts.“ Seine Stimme klang beinahe freundlich.
„Caleb, fessle ihn.“
Caleb nahm dem Farmer den Revolver ab und zwang ihn, sich auf einen Stuhl zu setzen. Wenig später waren seine Hände hinter dem Rücken gefesselt.
Blue trat einen Schritt näher auf ihn zu. „Nun“, sagte er ruhig, fast freundlich, „wo bewahrst du dein Geld auf? Und den Schmuck deiner Frau?“
Der Farmer schwieg.
Blues Lächeln verschwand nicht. Doch in seinen hellblauen Augen lag plötzlich ein harter Glanz. „Ich habe dich gefragt, wo das Geld ist.“
Der Farmer stieß einen derben Fluch aus. „Zum Teufel mit euch! Ihr bekommt keinen verdammten Dollar von mir!“
Seine Tochter klammerte sich erschrocken an ihre Mutter. Das Dienstmädchen stand wie erstarrt da. Ihre großen, schreckgeweiteten braunen Augen wanderten von einem Mann zum anderen, während sie beide Hände vor den Mund presste.
Jake und Caleb ließen ihre Blicke durch den Raum schweifen. Die schweren Möbel, das Silber auf dem Tisch, die Bilder an den Wänden – alles verriet, dass der Farmer nicht arm war.
Jake grinste leicht.
Caleb sagte nichts. Er sah sich nur weiter um.
Silas dagegen interessierte sich für all das kaum. Sein Blick war längst auf etwas anderes gerichtet.
Blue registrierte die Weigerung des Farmers mit einem missbilligenden Stirnrunzeln. Dann setzte er sich selbst in Bewegung. Er öffnete die erste Schublade, durchsuchte sie und fand nichts. Auch die nächsten enthielten weder Geld noch Schmuck.
Caleb begann ebenfalls zu suchen. Allerdings mit deutlich weniger Geduld. Er riss die Schubladen regelrecht heraus, warf ihren Inhalt beiseite und durchsuchte anschließend die angrenzenden Räume.
Eine Weile später kehrte er ins Esszimmer zurück. In seiner Hand hielt er nur eine kleine Handvoll Dollar. „Das ist alles, Boss!“
Blue betrachtete die Scheine in Calebs Hand und schüttelte langsam den Kopf. „Das kann nicht sein.“
Sein Blick wanderte durch den Raum. „Hier stinkt es nach Geld.“ Dann wandte er sich an die Frau des Farmers.
„Was ist oben?“
„Nur die Schlafräume“, antwortete sie kurz angebunden.
Blue schüttelte langsam den Kopf. Dann trat er auf die Frau zu, packte sie am Arm und riss sie von ihrer Tochter weg.
Die Tochter wich erschrocken zurück. Blue stieß sie in Richtung Jake, der sie mit einem breiten Grinsen auffing.
Blue hielt die Frau des Farmers fest im Griff und deutete zur Treppe.
„Dann sehen wir beide uns oben einmal um, Schätzchen.“
Noch bevor Jake weiter in seiner Erinnerung kramen konnte, kam Caleb mit einem Bündel Holz aus der Dunkelheit zurück und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Da drüben liegt noch mehr“, sagte Caleb zu Silas und deutete in die Richtung, aus der er gekommen war. Dann legte er das Holz neben die Feuerstelle und begann, die Glut wieder anzufachen.
Silas erhob sich widerwillig, spuckte seinen Kautabak neben das Feuer und ging in die Richtung, die Caleb ihm gezeigt hatte.
Caleb wandte sich von Silas ab und warf einen Blick in die Runde. Dabei bemerkte er, dass Jake inzwischen neben der jungen Frau saß und offenbar völlig in Gedanken versunken war.
Seine Stirn legte sich leicht in Falten. Offenbar brachte die Freiheit seinen kleinen Bruder schon wieder auf dumme Gedanken.
Dann bemerkte er Blue, der sich in einigem Abstand neben die Mutter des Mädchens gesetzt hatte und inzwischen ebenfalls seinen Blick auf Jake gerichtet hatte. Dabei kaute er nachdenklich auf einem trockenen Grashalm herum.
Calebs Auftauchen hatte auch Jake aus seinen Gedanken gerissen. Langsam richtete er seinen Blick wieder auf Claire. Die hatte ihre Lage auf dem Boden ein wenig verändert. Nicht viel. Doch nun war zwischen Rocksaum und Stiefelette etwas mehr von ihrem Bein zu sehen.
Eigentlich war es nichts Besonderes. Für Jake schon.
Sein Blick blieb einen Augenblick daran hängen, bevor er wieder zu Claires Gesicht wanderte.
„Du machst es mir nicht gerade leicht, Claire.“
Sie sah ihn fragend an. „Was mache ich denn?“
Jake lächelte. „Du weißt es wirklich nicht?“
Claire schüttelte den Kopf. „Nein.“
„Dann solltest du vielleicht vorsichtiger sein.“
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Womit?“
Jake antwortete nicht sofort. „Mit mir.“
Claire sah ihn einige Sekunden an. Dann musste sie leise lachen.
Ein paar Schritte entfernt hatte Miriam jedes Wort gehört. Ihr Blick blieb aufmerksam auf die beiden gerichtet.
Auch Blue hatte das Gespräch verfolgt. Er sagte nichts, doch sein Blick wanderte zwischen Jake und Claire hin und her.
Caleb hingegen tat, als interessiere ihn das alles überhaupt nicht. Er stand auf und ging zu Elias und Carter hinüber.
Er wollte sehen, ob die beiden noch ordentlich gefesselt waren.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 18 - Silas
Silas kam mit einem kleinen Armvoll Holz zurück. Viel war es nicht. Er hatte keine Lust gehabt, länger als nötig in der Dunkelheit herumzustreifen. Zu viel konnte geschehen, während er weg war.
Er legte das Holz neben das Feuer und setzte sich wieder. Dabei bekam er gerade noch Claires letzte Worte mit.
Silas verzog das Gesicht. Das Ganze dauerte ihm viel zu lange.
Sie hatten Jake befreit. Der Sheriff und der Kutscher waren außer Gefecht gesetzt. Die beiden Frauen waren ihnen ausgeliefert. Was gab es da noch zu überlegen?
Sein Blick wanderte zu Claire. Auch er wollte sie. Das stand für Silas längst fest. Ebenso fest stand allerdings, dass es in ihrer Bande eine Rangordnung gab, an der nicht zu rütteln war.
Blue war der Anführer. Aber der würde ihm nicht in die Quere kommen. Blue hatte kein Interesse an jungen Mädchen.
Dann kam Caleb. Er und Blue kannten sich schon sehr lange und waren beste Freunde. Aber auch Caleb stellte keine Gefahr für Silas dar. Er hatte bislang keinerlei Gewalt gegen Frauen ausgeübt.
Aber Jake.
Der war zwar deutlich jünger als Silas. Doch Silas war als Letzter zur Bande gestoßen. Und Caleb hatte bislang immer dafür gesorgt, dass Silas seinem „Brüderchen“, wie er Jake manchmal scherzhaft nannte, nicht vorgezogen wurde. Was zumindest dann kein Problem war, wenn die beiden eine gewisse Auswahl hatten.
Silas gefiel das nicht besonders. Nur: Was sollte er dagegen tun? Gegen die drei hatte er nicht die geringste Chance.
Aber noch mehr beschäftigte ihn eine andere Frage. Was geschah, wenn die Männer ihre Gelüste befriedigt hatten?
Spätestens bei Morgengrauen mussten sie verschwunden sein. Wenn in der nächsten Stadt bekannt wurde, dass die Kutsche mit dem Marshal und dem Gefangenen nicht angekommen war, würde früher oder später jemand nach ihnen suchen.
Sollten sie die Frauen mitnehmen? Sie einfach hierlassen? Zusammen mit dem Marshal und dem Kutscher, die ebenfalls noch zum Problem werden konnten?
Alle umbringen und dann fliehen? Für Silas' beschränkte Denkweise war das eigentlich die einfachste und sauberste Lösung.
Silas sah zu Miriam hinüber, dann wieder zu Claire. Als Geiseln könnten die beiden Frauen aber durchaus noch nützlich sein. Und vielleicht waren sie auch noch öfter für andere Zwecke zu gebrauchen.
Viel weiter dachte Silas in diesem Moment nicht.
Er lehnte sich zurück und starrte ins Feuer. Und während er darüber nachdachte, war auch für ihn plötzlich dieser andere Abend wieder ganz nah.
Der Abend, an den eben auch sein Kumpel Jake gedacht hatte.
Ohne dass die beiden wussten, wie ähnlich ihre Gedanken waren.
Ja, ähnlich. Und doch anders …
Auch Silas ließ seine Gedanken zum Überfall auf die Farm zurückschweifen.
Blue hatte gerade die Frau des Farmers am Arm gepackt und war mit ihr nach oben verschwunden, um die dortigen Räume zu durchsuchen.
Caleb wühlte noch immer in Schubladen herum. Er suchte in Schränken, unter Möbeln und sogar hinter Bildern nach verborgenen Fächern.
Was Jake mit der Tochter des Farmers vorhatte, interessierte Silas nicht besonders. Sein eigenes Interesse galt längst dem Dienstmädchen.
Ihre dunkleren Züge und die Vermutung, dass in ihren Adern neben europäischem auch spanisches oder indianisches Blut floss, hatten seine Aufmerksamkeit geweckt. Eine solche Frau war ihm bisher noch nicht begegnet. Und das erregte ihn.
Silas suchte nach einem Vorwand. Schließlich deutete er auf die Küche. „Ich habe Hunger.“ Er packte das Dienstmädchen am Arm und zog sie mit sich.
Wenig später waren die beiden allein in der Küche. Silas schloss die Tür hinter sich. Und drängte das Dienstmädchen sofort zum Küchentisch.
Die junge Frau trug einen etwa knielangen Stoffrock, unter dessen Saum glatte, braune Beine hervorlugten. Beine, bei deren Anblick Silas das Wasser im Munde zusammenlief.
Sein Blick glitt höher, über die einfache weiße Baumwollbluse, die ihren Oberkörper umhüllte. Aber ebenfalls nicht völlig. Denn unter dem Hals des Dienstmädchens waren ganz deutlich die Ansätze von festen Brüsten zu sehen.
Sein Gegenüber wurde trotz der dunklen Haut blass im Gesicht. Offenbar ahnte sie, in welcher Gefahr sie schwebte. Und versuchte deshalb, durch die Küchentüre zu fliehen. Doch sie hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Silas konnte sie gerade noch an ihrer Bluse fassen. Wodurch diese zerriss und nun nicht nur die Schultern, sondern auch die Brüste so weit freilegten, dass große dunkle Warzenhöfe sichtbar wurden.
Silas Gier wuchs. Er wirbelte die Magd herum, so dass sie ihm den Rücken zukehren musste. Und sogleich legte er seine schwieligen Hände grob auf deren Brüste, trieb sie vor sich her zum Küchenherd, in dem das Feuer inzwischen erloschen war. Dann schob er ihren Rock hoch, griff ihr mit einer Hand zwischen die Beine. Riss ihr das dort befindliche Baumwollhöschen vom Körper. Öffnete mit der anderen Hand seine Hose und zog sein steifes Glied hervor.
Plötzlich fiel ein Schuss und die Ereignisse überschlugen sich.
Silas kam mit einem kleinen Armvoll Holz zurück. Viel war es nicht. Er hatte keine Lust gehabt, länger als nötig in der Dunkelheit herumzustreifen. Zu viel konnte geschehen, während er weg war.
Er legte das Holz neben das Feuer und setzte sich wieder. Dabei bekam er gerade noch Claires letzte Worte mit.
Silas verzog das Gesicht. Das Ganze dauerte ihm viel zu lange.
Sie hatten Jake befreit. Der Sheriff und der Kutscher waren außer Gefecht gesetzt. Die beiden Frauen waren ihnen ausgeliefert. Was gab es da noch zu überlegen?
Sein Blick wanderte zu Claire. Auch er wollte sie. Das stand für Silas längst fest. Ebenso fest stand allerdings, dass es in ihrer Bande eine Rangordnung gab, an der nicht zu rütteln war.
Blue war der Anführer. Aber der würde ihm nicht in die Quere kommen. Blue hatte kein Interesse an jungen Mädchen.
Dann kam Caleb. Er und Blue kannten sich schon sehr lange und waren beste Freunde. Aber auch Caleb stellte keine Gefahr für Silas dar. Er hatte bislang keinerlei Gewalt gegen Frauen ausgeübt.
Aber Jake.
Der war zwar deutlich jünger als Silas. Doch Silas war als Letzter zur Bande gestoßen. Und Caleb hatte bislang immer dafür gesorgt, dass Silas seinem „Brüderchen“, wie er Jake manchmal scherzhaft nannte, nicht vorgezogen wurde. Was zumindest dann kein Problem war, wenn die beiden eine gewisse Auswahl hatten.
Silas gefiel das nicht besonders. Nur: Was sollte er dagegen tun? Gegen die drei hatte er nicht die geringste Chance.
Aber noch mehr beschäftigte ihn eine andere Frage. Was geschah, wenn die Männer ihre Gelüste befriedigt hatten?
Spätestens bei Morgengrauen mussten sie verschwunden sein. Wenn in der nächsten Stadt bekannt wurde, dass die Kutsche mit dem Marshal und dem Gefangenen nicht angekommen war, würde früher oder später jemand nach ihnen suchen.
Sollten sie die Frauen mitnehmen? Sie einfach hierlassen? Zusammen mit dem Marshal und dem Kutscher, die ebenfalls noch zum Problem werden konnten?
Alle umbringen und dann fliehen? Für Silas' beschränkte Denkweise war das eigentlich die einfachste und sauberste Lösung.
Silas sah zu Miriam hinüber, dann wieder zu Claire. Als Geiseln könnten die beiden Frauen aber durchaus noch nützlich sein. Und vielleicht waren sie auch noch öfter für andere Zwecke zu gebrauchen.
Viel weiter dachte Silas in diesem Moment nicht.
Er lehnte sich zurück und starrte ins Feuer. Und während er darüber nachdachte, war auch für ihn plötzlich dieser andere Abend wieder ganz nah.
Der Abend, an den eben auch sein Kumpel Jake gedacht hatte.
Ohne dass die beiden wussten, wie ähnlich ihre Gedanken waren.
Ja, ähnlich. Und doch anders …
Auch Silas ließ seine Gedanken zum Überfall auf die Farm zurückschweifen.
Blue hatte gerade die Frau des Farmers am Arm gepackt und war mit ihr nach oben verschwunden, um die dortigen Räume zu durchsuchen.
Caleb wühlte noch immer in Schubladen herum. Er suchte in Schränken, unter Möbeln und sogar hinter Bildern nach verborgenen Fächern.
Was Jake mit der Tochter des Farmers vorhatte, interessierte Silas nicht besonders. Sein eigenes Interesse galt längst dem Dienstmädchen.
Ihre dunkleren Züge und die Vermutung, dass in ihren Adern neben europäischem auch spanisches oder indianisches Blut floss, hatten seine Aufmerksamkeit geweckt. Eine solche Frau war ihm bisher noch nicht begegnet. Und das erregte ihn.
Silas suchte nach einem Vorwand. Schließlich deutete er auf die Küche. „Ich habe Hunger.“ Er packte das Dienstmädchen am Arm und zog sie mit sich.
Wenig später waren die beiden allein in der Küche. Silas schloss die Tür hinter sich. Und drängte das Dienstmädchen sofort zum Küchentisch.
Die junge Frau trug einen etwa knielangen Stoffrock, unter dessen Saum glatte, braune Beine hervorlugten. Beine, bei deren Anblick Silas das Wasser im Munde zusammenlief.
Sein Blick glitt höher, über die einfache weiße Baumwollbluse, die ihren Oberkörper umhüllte. Aber ebenfalls nicht völlig. Denn unter dem Hals des Dienstmädchens waren ganz deutlich die Ansätze von festen Brüsten zu sehen.
Sein Gegenüber wurde trotz der dunklen Haut blass im Gesicht. Offenbar ahnte sie, in welcher Gefahr sie schwebte. Und versuchte deshalb, durch die Küchentüre zu fliehen. Doch sie hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Silas konnte sie gerade noch an ihrer Bluse fassen. Wodurch diese zerriss und nun nicht nur die Schultern, sondern auch die Brüste so weit freilegten, dass große dunkle Warzenhöfe sichtbar wurden.
Silas Gier wuchs. Er wirbelte die Magd herum, so dass sie ihm den Rücken zukehren musste. Und sogleich legte er seine schwieligen Hände grob auf deren Brüste, trieb sie vor sich her zum Küchenherd, in dem das Feuer inzwischen erloschen war. Dann schob er ihren Rock hoch, griff ihr mit einer Hand zwischen die Beine. Riss ihr das dort befindliche Baumwollhöschen vom Körper. Öffnete mit der anderen Hand seine Hose und zog sein steifes Glied hervor.
Plötzlich fiel ein Schuss und die Ereignisse überschlugen sich.
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 19 - Gegenwehr
Blue, der sich mit der Frau des Farmers in deren Schlafzimmer befand und sich gerade ebenfalls nicht nur mit düsteren Gedanken beschäftigte, sprang von dem Bett auf, auf das er die Frau kurz zuvor geworfen hatte.
Blitzschnell zog er seinen Revolver und rannte über die Holztreppe hinunter ins Erdgeschoss, wo ihn ein regelrechter Kugelhagel empfing! Und nicht nur ihn. Auch Caleb, der nach dem ersten Schuss aus einem der Zimmer gestürmt war, musste sich in Deckung begeben.
Und Silas? Auch wenn er im Moment noch nicht verstand, was hier vorging, stieß er das Dienstmädchen von sich, zog sich notdürftig seine Hose hoch, nahm beide Colts in seine Hände und rannte ins Wohnzimmer. Was er dort sah, verschlug ihm den Atem!
Jake lag mit entblößtem Unterkörper neben der fast nackten Tochter des Farmers am Boden. Blut floss aus einer Schusswunde am rechten Bein. Die Verletzung hinderte ihn offenbar daran, aufzustehen und ebenfalls nach einer Waffe zu greifen.
In der Wohnzimmertüre stand ein junger Mann, der wohl den ersten Schuss abgegeben hatte. Und damit Jake außer Gefecht gesetzt hatte.
Silas hatte keine Ahnung, wer der Mann war und woher er so plötzlich gekommen war. Er wusste nur eines: hier im Wohnzimmer stand er wie auf dem Präsentierteller vor den Waffen des Fremden! Also ließ er sich zu Boden fallen und wollte sich zurück in die Küche rollen. Doch auch dort stand plötzlich ein Fremder. Ein dunkelhäutiger Mann, der die Dienstmagd mit einer Hand an sich zog, während er mit der anderen Hand wie wild um sich feuerte.
Voller Panik schoss Silas auf diesen Mann zurück. Und traf nicht nur ihn, sondern auch die Magd. Beide sanken leblos zu Boden.
Im Wohnzimmer hatte sich inzwischen auch der Farmer befreien und nach seiner Waffe greifen können. Gemeinsam mit dem ersten Mann nahm er nun nicht nur Silas, sondern auch Blue und Caleb ins Visier.
Blue war der erste, der erfasste, dass sie hier nichts mehr für den am Boden liegenden und vor Schmerzen schreienden Jake tun konnten.
„Raus hier!“ rief er den anderen beiden zu, bevor er mit einem großen Satz durch die Haustüre verschwand und zu seinem Pferd rannte. Dicht gefolgt von seinen beiden Kameraden.
Erst viel später sollten sie erfahren, was geschehen war: der Farmer hatte am frühen Morgen den Ehemann des Dienstmädchens mit einem großen Batzen Geld zum Pferdehändler in der Stadt geschickt, um dort einige Zuchthengste abzuholen, die er einige Tage vorher dort besichtigt und für gut befunden hatte. Der Pferdehändler hatte seinen Sohn zur Unterstützung des Dunkelhäutigen mit zurück zur Farm geschickt. Wo die beiden zunächst die Pferde der Bande entdeckt hatten. Und als sie dann an der zerstörten Haustüre angekommen waren, hatten sie sofort die richtigen Schlüsse gezogen und waren ebenfalls in das Haus eingedrungen. Wo sie zunächst Jake mit heruntergelassenen Hosen antrafen.
Jake, den die Bande zurücklassen musste, wurde später vom Sheriff der Stadt ins dortige Gefängnis eingesperrt. Und als dieser dann erkannte, dass es sich um einen mehrfach steckbrieflich gesuchten Straftäter handelte, hatte er den zuständigen US-Marshal in Prescott verständigt, der daraufhin seinen Deputy U.S. Marshal Carter losgeschickt hatte, um Jake nach Prescott bringen zu lassen. Ihm dort den Prozess zu machen – und dann diesem sicherlich persönlich den Strick um den Hals zu legen.
Silas' Gedankengänge wurden durch die Stimmen von Claire und Jake unterbrochen.
Blue, der sich mit der Frau des Farmers in deren Schlafzimmer befand und sich gerade ebenfalls nicht nur mit düsteren Gedanken beschäftigte, sprang von dem Bett auf, auf das er die Frau kurz zuvor geworfen hatte.
Blitzschnell zog er seinen Revolver und rannte über die Holztreppe hinunter ins Erdgeschoss, wo ihn ein regelrechter Kugelhagel empfing! Und nicht nur ihn. Auch Caleb, der nach dem ersten Schuss aus einem der Zimmer gestürmt war, musste sich in Deckung begeben.
Und Silas? Auch wenn er im Moment noch nicht verstand, was hier vorging, stieß er das Dienstmädchen von sich, zog sich notdürftig seine Hose hoch, nahm beide Colts in seine Hände und rannte ins Wohnzimmer. Was er dort sah, verschlug ihm den Atem!
Jake lag mit entblößtem Unterkörper neben der fast nackten Tochter des Farmers am Boden. Blut floss aus einer Schusswunde am rechten Bein. Die Verletzung hinderte ihn offenbar daran, aufzustehen und ebenfalls nach einer Waffe zu greifen.
In der Wohnzimmertüre stand ein junger Mann, der wohl den ersten Schuss abgegeben hatte. Und damit Jake außer Gefecht gesetzt hatte.
Silas hatte keine Ahnung, wer der Mann war und woher er so plötzlich gekommen war. Er wusste nur eines: hier im Wohnzimmer stand er wie auf dem Präsentierteller vor den Waffen des Fremden! Also ließ er sich zu Boden fallen und wollte sich zurück in die Küche rollen. Doch auch dort stand plötzlich ein Fremder. Ein dunkelhäutiger Mann, der die Dienstmagd mit einer Hand an sich zog, während er mit der anderen Hand wie wild um sich feuerte.
Voller Panik schoss Silas auf diesen Mann zurück. Und traf nicht nur ihn, sondern auch die Magd. Beide sanken leblos zu Boden.
Im Wohnzimmer hatte sich inzwischen auch der Farmer befreien und nach seiner Waffe greifen können. Gemeinsam mit dem ersten Mann nahm er nun nicht nur Silas, sondern auch Blue und Caleb ins Visier.
Blue war der erste, der erfasste, dass sie hier nichts mehr für den am Boden liegenden und vor Schmerzen schreienden Jake tun konnten.
„Raus hier!“ rief er den anderen beiden zu, bevor er mit einem großen Satz durch die Haustüre verschwand und zu seinem Pferd rannte. Dicht gefolgt von seinen beiden Kameraden.
Erst viel später sollten sie erfahren, was geschehen war: der Farmer hatte am frühen Morgen den Ehemann des Dienstmädchens mit einem großen Batzen Geld zum Pferdehändler in der Stadt geschickt, um dort einige Zuchthengste abzuholen, die er einige Tage vorher dort besichtigt und für gut befunden hatte. Der Pferdehändler hatte seinen Sohn zur Unterstützung des Dunkelhäutigen mit zurück zur Farm geschickt. Wo die beiden zunächst die Pferde der Bande entdeckt hatten. Und als sie dann an der zerstörten Haustüre angekommen waren, hatten sie sofort die richtigen Schlüsse gezogen und waren ebenfalls in das Haus eingedrungen. Wo sie zunächst Jake mit heruntergelassenen Hosen antrafen.
Jake, den die Bande zurücklassen musste, wurde später vom Sheriff der Stadt ins dortige Gefängnis eingesperrt. Und als dieser dann erkannte, dass es sich um einen mehrfach steckbrieflich gesuchten Straftäter handelte, hatte er den zuständigen US-Marshal in Prescott verständigt, der daraufhin seinen Deputy U.S. Marshal Carter losgeschickt hatte, um Jake nach Prescott bringen zu lassen. Ihm dort den Prozess zu machen – und dann diesem sicherlich persönlich den Strick um den Hals zu legen.
Silas' Gedankengänge wurden durch die Stimmen von Claire und Jake unterbrochen.
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Blue
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Re: Die Postkutsche
Kapitel 20 - Ratlosigkeit
Jake lächelte Claire an.
„Du solltest wirklich vorsichtiger sein.“
Dabei legte er ganz beiläufig eine Hand auf die Stiefelette des Beines neben ihm und ließ sie langsam in Richtung ihres Knies wandern.
Claire verstummte für einen Moment und sah verwirrt auf Jakes Hand. Dann blickte sie wieder zu ihm.
„Warum?“, fragte sie unsicher.
Für Claire war das eine völlig neue Situation. Obwohl sie in der Stadt aufgewachsen war, hatte sie kaum Kontakt zu jungen Männern in ihrem Alter gehabt. Von ihrer Schulzeit abgesehen, die aber bereits einige Jahre zurücklag.
Ihre Eltern, allen voran ihre Mutter, hatten sie weitgehend vom täglichen Leben abgeschirmt. Warum, hatte Claire nie wirklich verstanden.
Seit ihr Vater vor einigen Wochen völlig unerwartet gestorben war und sie allein mit ihrer Mutter zurückgelassen hatte, schienen nun auch ihre Großmutter und ihre Tanten besonders darauf zu achten, dass kein Mann ihr wirklich zu nahekam.
Ein Verhalten, das Claire nicht deuten konnte.
Jake beugte sich noch ein wenig näher zu ihr. „Weil ich sonst vielleicht irgendwann glaube, dass du das absichtlich machst.“
Claire zwang sich zu einem leichten Lächeln. Sie wusste nicht recht, was sie von Jakes Worten halten sollte. Sie war zu unerfahren, zu behütet, um die Situation richtig einzuschätzen. Aber sie bemerkte, dass Jakes Stimme plötzlich einen anderen Klang angenommen hatte. Einen Klang, der ihr nicht gefiel.
Ein paar Schritte entfernt bemerkte Miriam die Veränderung sofort. Noch blieb sie ruhig, doch ihr Blick wurde wacher. Ihre Mundwinkel begannen sich leicht nach unten zu ziehen.
Auch Blue hatte den Vorfall gesehen und gehört. Und unternahm nichts.
Er kannte seine Männer. Er hatte oft genug erlebt, wie Jake scheinbar harmlos mit Frauen zu flirten begann. Oft war es tatsächlich harmlos geblieben. Aber nicht immer.
Silas, der inzwischen wieder am Feuer saß, beobachtete das Geschehen mit einem schwer zu deutenden Blick.
Nur Caleb saß scheinbar völlig desinteressiert am Feuer und schnitzte mit seinem scharfen Jagdmesser an einem dürren Ast. Wer allerdings einen Blick unter seinen breitkrempigen schwarzen Hut hätte werfen können, hätte bemerkt, dass ausgerechnet er die Szene besonders aufmerksam verfolgte. Und dass er vorhin, von allen unbeobachtet, seinen Colt ein wenig im Halfter gelockert hatte.
Blue saß weiterhin ruhig am Feuer und kaute noch immer auf dem trockenen Grashalm herum. Sein Blick ging zu Jake und Claire.
Er kannte Jake schon lange. Lange genug, um zu wissen, dass der Junge selten etwas dem Zufall überließ, wenn er etwas haben wollte.
Blue hatte schon einiges von ihm gesehen. Kleine Überfälle. Größere Überfälle. Dinge, über die man später besser nicht sprach. Auch von Jakes Gewalt gegen Frauen hatte er gehört. Er hatte sie nur nie selbst miterlebt. Bis jetzt.
Sein Blick wanderte kurz zu Silas. Mit ihm war es anders.
Silas kannte er noch nicht lange genug, um wirklich zu wissen, was in ihm vorging. Er wusste nur, dass auch auf ihn Steckbriefe ausgestellt waren. Wegen schwerer Gewaltverbrechen. Auch gegen Frauen.
Blue sah wieder zu Jake. Dann zu Caleb. Caleb würde auf seinen Bruder aufpassen. Daran zweifelte Blue nicht. Nicht unbedingt auf Claire.
Auf Jake. Und das war ein Unterschied.
Blue ließ den Blick weiterwandern.
Miriam.
Auch sie hatte er nicht aus den Augen verloren. Er wusste inzwischen, dass es schwierig werden würde, bei ihr an sein Ziel zu kommen. Vielleicht sogar unmöglich, solange sie alle gemeinsam hier saßen. Aber das war nicht das eigentliche Problem.
Das eigentliche Problem war, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr genau wusste, was seine Männer als Nächstes tun würden. Blue zog den Grashalm aus dem Mund und warf ihn ins Feuer.
Eine Weile sagte er nichts.
Jake lächelte Claire an.
„Du solltest wirklich vorsichtiger sein.“
Dabei legte er ganz beiläufig eine Hand auf die Stiefelette des Beines neben ihm und ließ sie langsam in Richtung ihres Knies wandern.
Claire verstummte für einen Moment und sah verwirrt auf Jakes Hand. Dann blickte sie wieder zu ihm.
„Warum?“, fragte sie unsicher.
Für Claire war das eine völlig neue Situation. Obwohl sie in der Stadt aufgewachsen war, hatte sie kaum Kontakt zu jungen Männern in ihrem Alter gehabt. Von ihrer Schulzeit abgesehen, die aber bereits einige Jahre zurücklag.
Ihre Eltern, allen voran ihre Mutter, hatten sie weitgehend vom täglichen Leben abgeschirmt. Warum, hatte Claire nie wirklich verstanden.
Seit ihr Vater vor einigen Wochen völlig unerwartet gestorben war und sie allein mit ihrer Mutter zurückgelassen hatte, schienen nun auch ihre Großmutter und ihre Tanten besonders darauf zu achten, dass kein Mann ihr wirklich zu nahekam.
Ein Verhalten, das Claire nicht deuten konnte.
Jake beugte sich noch ein wenig näher zu ihr. „Weil ich sonst vielleicht irgendwann glaube, dass du das absichtlich machst.“
Claire zwang sich zu einem leichten Lächeln. Sie wusste nicht recht, was sie von Jakes Worten halten sollte. Sie war zu unerfahren, zu behütet, um die Situation richtig einzuschätzen. Aber sie bemerkte, dass Jakes Stimme plötzlich einen anderen Klang angenommen hatte. Einen Klang, der ihr nicht gefiel.
Ein paar Schritte entfernt bemerkte Miriam die Veränderung sofort. Noch blieb sie ruhig, doch ihr Blick wurde wacher. Ihre Mundwinkel begannen sich leicht nach unten zu ziehen.
Auch Blue hatte den Vorfall gesehen und gehört. Und unternahm nichts.
Er kannte seine Männer. Er hatte oft genug erlebt, wie Jake scheinbar harmlos mit Frauen zu flirten begann. Oft war es tatsächlich harmlos geblieben. Aber nicht immer.
Silas, der inzwischen wieder am Feuer saß, beobachtete das Geschehen mit einem schwer zu deutenden Blick.
Nur Caleb saß scheinbar völlig desinteressiert am Feuer und schnitzte mit seinem scharfen Jagdmesser an einem dürren Ast. Wer allerdings einen Blick unter seinen breitkrempigen schwarzen Hut hätte werfen können, hätte bemerkt, dass ausgerechnet er die Szene besonders aufmerksam verfolgte. Und dass er vorhin, von allen unbeobachtet, seinen Colt ein wenig im Halfter gelockert hatte.
Blue saß weiterhin ruhig am Feuer und kaute noch immer auf dem trockenen Grashalm herum. Sein Blick ging zu Jake und Claire.
Er kannte Jake schon lange. Lange genug, um zu wissen, dass der Junge selten etwas dem Zufall überließ, wenn er etwas haben wollte.
Blue hatte schon einiges von ihm gesehen. Kleine Überfälle. Größere Überfälle. Dinge, über die man später besser nicht sprach. Auch von Jakes Gewalt gegen Frauen hatte er gehört. Er hatte sie nur nie selbst miterlebt. Bis jetzt.
Sein Blick wanderte kurz zu Silas. Mit ihm war es anders.
Silas kannte er noch nicht lange genug, um wirklich zu wissen, was in ihm vorging. Er wusste nur, dass auch auf ihn Steckbriefe ausgestellt waren. Wegen schwerer Gewaltverbrechen. Auch gegen Frauen.
Blue sah wieder zu Jake. Dann zu Caleb. Caleb würde auf seinen Bruder aufpassen. Daran zweifelte Blue nicht. Nicht unbedingt auf Claire.
Auf Jake. Und das war ein Unterschied.
Blue ließ den Blick weiterwandern.
Miriam.
Auch sie hatte er nicht aus den Augen verloren. Er wusste inzwischen, dass es schwierig werden würde, bei ihr an sein Ziel zu kommen. Vielleicht sogar unmöglich, solange sie alle gemeinsam hier saßen. Aber das war nicht das eigentliche Problem.
Das eigentliche Problem war, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr genau wusste, was seine Männer als Nächstes tun würden. Blue zog den Grashalm aus dem Mund und warf ihn ins Feuer.
Eine Weile sagte er nichts.